Selbstbestimmung statt Überstunden – wenn eine Generation die Arbeitswelt neu definiert

Selbstbestimmung statt Überstunden – wenn eine Generation die Arbeitswelt neu definiert

Überflieger, die ihren Job kündigen, Popstars, die über die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben statt über Liebe singen – die Menschen leben nicht mehr für die Arbeit, sondern ordnen ihre berufliche Weltordnung neu, zugunsten des Glücklicheins.

In den letzten zweieinhalb Jahren haben viele Menschen Bilanz gezogen – darüber, wie sie ihre Zeit verbringen, wo sie einen Sinn finden, welche Hoffnungen sie für die Zukunft haben – und sind zu dem Schluss gekommen, dass ihre aktuelle Arbeit nicht dazu gehört.

Hunderttausende haben ihre Arbeit aufgegeben. Wie eine kununu-Studie ergab, hat mehr als ein Viertel der Deutschen gekündigt, ohne einen neuen Job zu haben. Insgesamt sind 57% wechselbereit. Bei der Gen Z liegt der Anteil sogar bei über 70%.

Diejenigen, die in ihren Jobs bleiben, investieren indessen weniger in ihre Arbeit und hinterfragen diese. Extrinsische Faktoren wie globale Krisen, aber auch intrinsische wie das Management, der Workload und Bezahlung haben einen Wertewandel unter den Mitarbeitenden hervorgebracht (Quelle: Kincentric).

 

Selbstbestimmung statt Überstunden

Früher hat derjenige gewonnen, der am längsten im Büro war. Wer richtig hart geackert hat, hatte die Beförderung auch wirklich verdient. Aber mal ehrlich: Wer kann mit 16-Stunden Tagen langfristig produktiv sein?

 

Carpe Diem 2.0 – Work hard AND smart

Denn die Gen Z hat andere Werte. Sie verzichten auf Überstunden, üppige Boni und Gehaltserhöhungen, um die vielen Überstunden und nicht vorhandene Freizeit zu kompensieren. Dafür setzen sie sich für die 4-Tage-Woche ein – selbstverständlich bei vollem Gehalt. Maximale Flexibilität, Gesundheit und Selbstbestimmung haben absolute Priorität. Der Laptop wird pünktlich zugeklappt. Diese Neukalibrierung ist mehr als nur eine unvermeidliche, individuelle Abweichung einer Generation. Es ist eine kulturelle Kehrtwende.

Arbeitnehmer:innen bewerten ihre beruflichen Leistungen selbst neu. Diese Neubewertung schafft neue Prioritäten – weg vom beruflichen Erfolg hin zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Die Pandemie hat uns daran erinnert, dass Gesundheit, Hobbys und Beziehungen wichtiger sind als Karrieren. Starre Hierarchien, schlechtes Management und strenge Vorschriften, wann wer wo zu sein hat, haben ausgedient. Heute hat Carpe Diem eine ganz neue Bedeutung.

 

Hybrides Arbeiten: Okay, Zoomer!

Die Arbeitnehmer:innen der GenZ wollen keine sinnlose Anwesenheit, Stress, toxischen Arbeitsplätze mehr. Das bedeutet aber nicht, dass sie keinen Ehrgeiz mehr haben. Beförderungen und berufliche Karrieren spielen immer noch eine wichtige Rolle, Autonomie und Flexibilität aber eben auch. Wer diesen Sinneswandel ignoriert, wird Widerstand spüren. Die Arbeitnehmer:innen stimmen mit den Füßen ab – indem sie schneller das Unternehmen verlassen, als der Arbeitgeber agieren kann und ihren Unmut im schlimmsten Fall noch auf den gängigen Social-Media-Kanälen kundtun.

Wer die Nachrichten aufmerksam verfolgt, wird schnell bemerken, dass Unternehmen, die auf die guten alten Zeiten pochen, als rückständig abgetan werden. Dabei gibt es eine starke Kraft, die den Beginn einer neuen Ära der Arbeit beschleunigt: die Generation Z.

Während die Millennials noch genaue Vorstellungen vom Arbeitsleben hatten, kennt die Gen Z, die Zoomers, nur stagnierende Löhne, unsichere Verträge, Kündigungswellen und erdrückende Schuldenberge. Hinzukommen Pandemie, der Krieg in der Ukraine, Klimakrise – wer mag da noch ehrgeizig berufliche Ziele verfolgen, wenn doch die Umstände gegen einen arbeiten?

Sie machen ihrer Apathie, Ambivalenz oder Wut in den sozialen Medien Luft. Wer da nicht mit flexiblen, hybriden Arbeitsmodellen und Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben kontert, wird den ohnehin bereits bestehenden Fachkräftemangel noch verstärken, wie eine Studie von Deloitte manifestierte. Krasse Karriereziele werden durch kleinere, sinnstiftende ersetzt. Ambitionen werden zurückgeschraubt. Ein glückliches, erfüllendes Leben besteht eben nicht mehr nur aus Arbeit. Glück ist kein Privileg oder ein Nebenprodukt des Erfolgs – es ist zum Ziel der Gen Z geworden.

 

 

Bild-Credit: Photo by mentatdgt via pexels.com