Auf ein Wort – Fake News

Auf ein Wort –  Fake News

Die einen verbreiten sie, die anderen entlarven sie, und wieder andere sitzen vor dem Bildschirm oder stehen am Kiosk und beobachten erschüttert bis belustigt, meist aber vor allem verwundert dieses Phänomen des „kreativen Umgangs mit Halb- und Unwahrheiten“: Fake News sind derzeit in aller Munde, Anfang der Woche auch bei der Jury zum Anglizismus des Jahres 2016. Die unabhängige Initiative würdigt mit ihrer Wahl seit 2010 jedes Jahr den positiven Beitrag des Englischen zur Entwicklung des deutschen Wortschatzes. Wer hätte gedacht, dass Fake News auch etwas Gutes an sich haben?

Seit vergangenem Jahr sind Fake News sehr präsent und beschäftigen neben Medien und Marketern vor allem die Politik. Doch sie sind keine Erfindung aus 2016, nicht einmal aus diesem Jahrhundert. Bereits Napoleon wurde Opfer vorsätzlich verbreiteter Falschmeldungen, was in einer Ausgabe der Zeitschrift American Historical Register bereits 1894 mit dem Begriff Fake News kommentiert wurde.

Der Vorsatz spielt im Übrigen eine entscheidende Rolle, denn er macht den Unterschied zu einer gemeinhin als Falschmeldung bezeichneten Nachricht aus, die durchaus auch ein Versehen sein kann (aber nicht muss). Darüber hinaus weist Jurysprecher Anatol Stefanowitch auf die politische Brisanz von Fake News im Vergleich zu Falschmeldungen hin, der in ihrem propagandistischen Motiv begründet liegt. Aber „anders als die Propaganda, die das Ziel hat, das öffentliche Bewusstsein systematisch und tiefgreifend zu beeinflussen, sind die Fake-News eher auf die Bestätigung bestehender Vorurteile bei bestimmten Zielgruppen ausgerichtet. Ganz im Sinne eines postfaktischen Zeitgeistes geht es häufig auch gar nicht darum, dass die Fake News tatsächlich geglaubt, sondern nur, dass sie für möglich gehalten werden und so ein Gegengewicht zu den tatsächlichen Nachrichten in den ‚etablierten‘ Medien (vulgo ‚Lügenpresse‘) bilden können“, erläutert Stefanowitch in seiner Laudatio auf den aktuellen Anglizismus des Jahres.

Wo man übrigens kaum etwas falsch machen kann, ist bei der Schreibung des Begriffes: Aufmerksame Leser werden sowohl Fake News als auch Fake-News in unserem Artikel entdeckt haben. Sogar die Konstruktion Fakenews findet sich vereinzelt in den Medien. Es dauert sicher nicht mehr lange, bis der Duden uns hierzu eine Empfehlung geben wird.