Auf ein Wort – Arschkarte

Auf ein Wort – Arschkarte

Der Countdown läuft. Nur noch wenige Stunden bis zum Anpfiff der UEFA EM 2016. Fußballbegeisterte werden bereits ungeduldig auf die Uhr sehen und im Geiste noch einmal durchgehen, ob sie für den sportiven Fernsehabend auch wirklich an alles gedacht haben. Genug Knabbereien und Getränke gekauft? Den Spielstand des Abends beim Tippspiel abgegeben? Anders die Fußballmuffel, die vier endlos scheinenden Wochen voller Halbzeiten und Verlängerungen entgegenblicken. Egal, wohin sie sich dieser Tage verkriechen, sie werden dem Fußballwahn kaum entgehen können und haben die sprichwörtliche Arschkarte gezogen.

Mit den Fußballturnieren war die Arschkarte geboren

Der Ursprung dieser Redewendung geht übrigens auch auf den Fußball zurück – so zumindest eine weit verbreitete Annahme. Demnach bezieht sich die Arschkarte auf die rote Karte eines Schiedsrichters. Damit Fernsehzuschauer in der Vergangenheit auch an den Schwarz-Weiß-Fernsehgeräten erkennen konnten, welche Karte der Schiedsrichter gerade zeigt, einigte man sich darauf, die gelbe Karte stets in der Brusttasche des Shirts, die rote dagegen in der Gesäßtasche der Hose aufzubewahren.

Oder liegt der Ursprung gar nicht beim Fußball?

Diese Legende wird jedoch durch mehrere Fakten, wenn nicht widerlegt, dann doch wenigstens in Zweifel gezogen.

  1. Das zweifarbige Kartensystem wurde bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1970 erstmalig eingeführt. Zu diesem Zeitpunkt gab es in Deutschland bereits seit drei Jahren TV-Ausstrahlungen in Farbe.
  2. Auch wer 1970 keinen Farbfernseher besaß, konnte auf seinem Schwarz-Weiß-Gerät aufgrund der unterschiedlichen Farbhelligkeiten Rot problemlos von Gelb unterscheiden.
  3. Es gab zu keiner Zeit eine Anordnung der UEFA oder FIFA, die Schiedsrichtern das Aufbewahren der gelben und roten Karten in bestimmten Taschen vorschrieb oder empfahl. Tatsächlich gab es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder auch Schiedsrichterkleidung ohne Gesäßtasche an der Hose.

Wo liegt also der wahre Ursprung dieses „geflügelten Wortes“? Um ehrlich zu sein: Ich weiß es nicht. Ich hatte nur die Aufgabe, hier einen Fußball-Post zu schreiben – und hatte damit voll die Arschkarte gezogen.