DPRG Takeoff 2020 – Der Start in die Zwanziger Jahre

DPRG Takeoff 2020 – Der Start in die Zwanziger Jahre

Unter dem Motto Zuversicht zur Zeitenwende fand der diesjährige DPRG Takeoff am 24. Januar im „Palais“ in der Kulturbrauerei statt. Die verschiedenen Arbeitskreise und Fachgruppen des Netzwerks zeigten, wie das neue Jahrzehnt aus Sicht der PR-Branche angegangen werden kann. Falls ihr dieses Jahr nicht dabei sein konntet, kein Problem, hier kommt ein kurzer Rückblick.

 

Relotius –  kein Zauberspruch aus Harry Potter

 

Den Beginn markierte ein Talk zum Fall Relotius. Thomas Hass (Spiegel) und Cornelius Winter (365 Sherpas) standen Annette Milz (Medium Magazin) Rede und Antwort. Der professionelle Umgang mit dem Skandal ist zu einem Paradebeispiel für gelungene Krisenkommunikation geworden. Denn genau das ist es für Hass, die größte „Krise“, die der Spiegel jemals bewältigte und weiterhin bewältigen muss. Für ihn war klar, dass nach der internen Bekanntgabe alle Mitarbeiter*innen an einem Strang ziehen mussten und so schnell wie möglich selbst über den Vorfall zu berichten ist. Sie mussten die Ersten sein – und das waren sie!

Bereits nach der ersten Woche ließ die Kritik nach. Hass stellte bei ihrem Vorgehen die Authentizität und Wahrhaftigkeit in den Vordergrund, die er empfahl zu wahren: Nichts darf verschleiert oder ausgelassen werden, sonst werden andere darüber berichten. Winter, der Teil der Krisenkommunikation war, betonte dabei die besondere Lage, in der sich ein Verlag befindet: Verlage sind Kommunikatoren, die eigenen Kanäle besitzen, die sie in einem solchen Fall nutzen können. Unternehmen sind jedoch auf externe Hilfe angewiesen. Er empfahl eine Haltung zu Krisenthemen zu bilden, die nicht festgefahren ist und sich weiterentwickeln kann.

 

New Work im neuen Jahrzehnt

 

Zum Thema New Work gab es spannende Impulse aus Theorie und Praxis. Lisa Dühring (Universität Leipzig) stellte ihr dreijähriges Forschungsprojekt „Corporate Communication in agile Organizations“ vor und Silvie Rundel (ZEIT Verlagsgruppe) gab einen Einblick in den allumfassenden Veränderungsprozess der internen Kommunikation bei der ZEIT. Ein wirklicher Wandel muss, nach Dühring, ein radikaler sein. Die Dauer ist nicht lang – die Vorbereitung jedoch schon. Dabei spielen die Führungskräfte die wichtigste Rolle, die aber selbst nicht viel mit New Work zu tun haben. Den Knackpunkt bildet nämlich das mittlere Management. Diesem die Notwendigkeit zu vermitteln, dass tendenziell Führung aufgegeben und neue Konzept angenommen werden müssen, ist das Schwierige. Dafür braucht es motivierte Menschen, dessen Anstrengungen auch zu belohnen sind. Um nicht einfach planlos dem Trend zu folgen, sollte man sich als Unternehmen drei Fragen stellen:

  • Was will ich damit erreichen?
  • Wie kann der Wandel helfen?
  • An welchen Schrauben muss gedreht werden?

 

Für Rundel gehören Klarheit gegenüber den Mitarbeiter*innen und Spaß am Wandel zu den Grundpfeilern des Veränderungsprozesses. Bevor die ZEIT die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter*innen begonnen hat grundlegend zu verändern, hat jede/r Mitarbeiter*in den zuvor erstellten „Wandelbericht“ per Post erhalten. Gespräche, Treffen, Workshops und Reaktionen formten den Bericht. Er zeigte transparent die Ergebnisse und die daraus resultierenden Maßnahmen. Dass ein Wandel überhaupt nötig ist, musste zunächst den Führungskräften vermittelt werden. Denn Änderungen müssen auch trotz unternehmerischen Erfolgs stattfinden, da dieser nicht heißt, dass jede*r in jeder Abteilung zufrieden ist. Das führte zu gemeinsam geschaffenen Lösungen und auch zu Ansätzen, die wohl jedem Unternehmen helfen können:

  • Lunch-Lotterie
  • Handygaragen bei Meetings
  • Expertenfinder im Kollegium
  • Die monatliche Möglichkeit, anonym Anregungen und Fragen zu stellen
  • ZEIT University: Mitarbeiter*innen bringen Mitarbeiter(n)*innen etwas bei

 

Akzeptanz unter Generationen

 

Einen tollen Kontrast, der auch zur hitzigsten Diskussion führte, bildeten die Keynote von Franziska Heinisch (Jugendrat der Generationen Stiftung) und ein Impuls zur Akzeptanzkommunikation. Die 20 Jahre junge Heinisch war spontan für Maja Göpel (Generalsekretärin WBGU) eingesprungen und hat einen Vortrag über die Zukunft der Menschheit gehalten und allen Zuhörer*innen ins Gewissen geredet, dass sie diejenigen sind, die die Verantwortung dafür tragen. Dafür bekam sie den lautstärksten Applaus des Tages.

Im anschließenden Impuls und dem darauffolgenden Gespräch, unter anderem mit Vertretern der Auto- und Atomindustrie, kam die Sprache schnell wieder auf das emotionale Thema. Zunächst wurde leidenschaftlich von „der Duldung des Bösen“ durch die PR gesprochen, anschließend mit Luhmann und der Legitimation durch Verfahren argumentiert, um dann doch den Staffelstab der Schuld an die kompromisslosen Bürger*innen weiterzugeben und darauf zu verweisen, dass die Bereitschaft zur Anpassung in Unternehmen gestiegen ist. Nur über die Feststellung, dass ein Nutzen für alle Beteiligten vorhanden sein müsste, herrschte weitestgehend Einigkeit. Schade, dass Frau Heinisch in dieser Diskussionsrunde nicht mehr zugegen war.

 

Influ… was? Wo ist der Social Media Arbeitskreis?

 

Mit Krisen hatte der Tag begonnen und so sollte er auch enden. Jan-Hendrik Cobobus ([m]Studio) zeigte, welches Krisenpotenzial Influencer entfachen können und wie adäquat darauf reagiert werden kann. Rezo ist für ihn eine Verkörperung des „Sinnfluencers“, für den die Werbeeinnahmen nicht die oberste Priorität haben, sondern eine starke Meinung, das Bewusstsein für die eigene Reichweite und die Bindung zur Community an erster Stelle stehen.

Während des anschließenden Ausklangs, im persönlichen Gespräch mit anderen Mitgliedern, hatten wir noch über die Relevanz von Social Media in unserer Zeit diskutiert und dabei festgestellt, dass ein Arbeitskreis diesbezüglich noch geschaffen werden müsste. Keine Krise, aber doch eine sinnvolle Maßnahme, um noch zuversichtlicher in die Zwanzigerjahre zu starten.

 

von Mathes Hünsche

 


Bild Credits: Pedro Becerra / Stageview