Wie man mit e-Health-Systemen schwere Krankheiten bekämpfen kann

Wie man mit e-Health-Systemen schwere Krankheiten bekämpfen kann

Komfort, sofort verfügbare Informationen, Multitasking – diese und viele weitere Eigenschaften bringen eHealth-Wearables mit sich. Kein Wunder also, dass sich diese Gadgets immer mehr verbreiten. Denn nicht ohne Grund ist der Wearables-Markt 2016 um 25 Prozent gestiegen.

Wearables sind kurz gesagt tragbare Computersysteme. Smart Watches, Fitness Tracker oder -Armbänder, GPS-Tracker oder Herzfrequenzmessgeräte sind da nur einige Beispiele, in welchen Formen sie auftauchen können. Diese Geräte können beeindruckend viele Daten sammeln und zugleich analysieren. Es beginnt beim täglichen Schritte und Kalorien zählen, geht weiter zur Überwachung des Schlafverhaltens, und endet bei der Analyse detaillierter Statistiken über die sportliche Leistung mit Werten wie Pace, Geschwindigkeit, zurückgelegte Strecke, Höhenmeter und Herzfrequenz.

Perspektivenwechsel

Im Laufe der Zeit haben Wearables einen neuen Weg eingeschlagen – vom alltäglichen Tool für Fitness-Lifestyle hin zur Medizin. Nicht nur für Ärzte sondern auch für Patienten liefern sie Chancen. Dabei konzentrieren wir uns hier auf eine ganz besondere Geschichte, einer an Parkinson erkrankten jungen Frau. Emma Lawton gehört zu den rund 4,1 Millionen Menschen, die weltweit an Parkinson erkrankt sind. Bei der in London lebenden Graphik-Designerin wurde die Krankheit im Alter von 29 Jahren diagnostiziert. Ihre Freundin Haiyan Zhang, Innovation-Director bei Microsoft Research, wollte Emma helfen, trotz der Zuckungen ihrer Hände, ihren eigenen  Namen wieder leserlich auf ein Blatt Papier bringen zu können.

Von unzähligen Versuchen und Prototypen

Das Projekt startet mit vielen Ideen, die Emma das Schreiben erleichtern sollen. Ein erster Versuch war, eine Aluminiumtafel zu verwenden, auf der Emma mit einem Magnetstift leserlich und ohne zu wackeln, etwas schreiben sollte. Doch das blieb leider erfolglos.

Nach unzähligen Versuchen, Prototypen und sechs Monaten harter Arbeit hatte Haiyan Zhang das Werk dann doch endlich vollbracht. Die „Emma Watch“ war geboren. Die Emma Watch, die Microsoft entwickelte, ist ein Armband, welches mithilfe von Motoren eine Vibration auslöst. Durch die Vibrationsmotoren werden Signale zum Gehirn gesendet. Diese halten das Gehirn durch die ablenkende Vibration davon ab, die Hände weiter zittern zu lassen. Die Emma Watch kann zusätzlich durch eine App gesteuert werden und ermöglicht dabei die Auswahl aus vier verschiedenen Vibrationsstufen (via pcwelt).

Eine Uhr gegen Parkinson

Dann kam endlich der Tag, auf den Emma Lawton so lange warten musste. Sie bekommt einen Stift in die Hand. Gleichzeitig wird ihr die Emma Watch angelegt. Mit ihr soll sie tatsächlich wieder in Ruhe schreiben können. Sie beginnt den Stift auf das Papier anzusetzen und kann ihren Namen ohne weiteres aufschreiben. Ein voller Erfolg! Es war der erste Tag, an dem Emma Lawton, seit ihrer Diagnose, in der Lage war ihren Namen zu schreiben. Vor lauter Glück lachte und weinte sie gleichzeitig. Dieser Tag fühlte sich für sie wie ein Weihnachtsmorgen für ein Kleinkind an. Auch, dass der Prototyp Ihren Namen trägt, ehrte Emma sehr (via Microsoft Blog).

Wie geht es nun weiter?

So verrückt es auch klingt: Wie das Ganze funktioniert, ist medizinisch noch unklar. Haiyan Zhang betonte in einem Interview, dass jetzt der Zeitpunkt ist, an dem sich die Wissenschaft mit dem Phänomen auseinander setzen und Erklärungen dafür suchen muss. Hinzu kommt die Frage, ob man durch solche Vibrations-Motoren möglicherweise auch andere Nebenwirkungen von Parkinson verbessern kann. All dies wird in nächster Zeit noch genauer erforscht. In einem Interview sprachen Lawton und Zhang über ihre bisherigen Erfahrungen mit der Emma Watch und was sie sich für die Zukunft dafür wünschen.

Weitere Informationen zu dem Thema gibt es, in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen, auf dem Microsoft Blog. Des Weiteren führt Emma Lawton ihren eigenen Youtube Vlog. Dabei kann man ihren Alltag und ihr Leben mit der Krankheit verfolgen. Dafür startete sie im April 2017 die Aktion „PD365“,  mit der sie sich das Ziel gesetzt hatte, ein Jahr lang jeden Tag, zu Beginn der Parkinson’s Awareness Week, ein kurzes Video hochzuladen. Dort begleiten sie ihre Follower in ihrem Alltag und bekommen Einblicke in ihr Leben.

Nun heißt es aber erst einmal abwarten und beobachten, was die Wissenschaft noch so mit sich bringt.

Bild Credits: von tookapic, under Creative Commons Zero Licence, via pexels.com