Gesichtserkennung: Chancen & Gefahren

Gesichtserkennung: Chancen & Gefahren

Stärkere staatliche Regulation und mehr Verantwortung gegenüber Technologien zur Gesichtserkennung: Dies sind Forderungen, denen immer mehr Unternehmen nachkommen wollen oder von der Politik fordern. Denn Gesichtserkennung ist überall! Ein kurzer Blick auf die Industrie zeigt: Die Gesichtserkennung findet bereits weitflächig Anwendung und verändert Technologie und Gesellschaft gleichermaßen. Doch wie soll mit dieser Art der Künstlichen Intelligenz (KI) umgegangen werden und was bedeutet sie für die Kommunikation?

 

Gesichtserkennung ist bereits im Alltag integriert

Die Anwendungsmöglichkeiten der Gesichtserkennungstechnologie sind breit gefächert. So führte Apple zum Beispiel diese Technik zur Entsperrung des iPhone X ein. Die sogenannte Face ID soll sicherer als ein Passwort oder Fingerabdruck sein und die Privatsphäre der Nutzer bewahren. Facebook nutzt die Gesichtserkennung der hochgeladenen Bilder zur Datenauswertung und als Sicherheitsinstanz für das Wiederherstellen eines Kontos.

Auch der Internetriese Amazon verkauft ein System zur Gesichtserkennung. „Rekognition“, das einzelne Personen in ganzen Menschenmassen identifizieren kann, wird bereits von Medienunternehmen für die Berichterstattung genutzt. Während der britischen Adelshochzeit verwendete die New York Times diese Technologie, um Prominente unter den Gästen zu identifizieren. Hauptsächlich aber wird die Artificial-Intelligence-Software zur Überwachung in der Öffentlichkeit eingesetzt. So verwendet die Polizei in den USA „Rekognition“, um Gesichter in Menschenmengen zu erkennen und so potenzielle Bedrohungen abzuwenden.

Auch in Berlin werden Technologien zur Gesichtserkennung im öffentlichen Raum eingesetzt. Für das Pilotprojekt am Bahnhof Südkreuz wurde die Videoüberwachung mit künstlicher Intelligenz erweitert, um die Sicherheit für Nutzer des ÖPNV zu erhöhen und Terroranschläge zu verhindern.

Obwohl diese Installation ebenfalls bei einigen auf Kritik stieß und eine öffentliche Debatte auslöste, konnte eine Studie von Weber Shandwick aufzeigen, dass der Einsatz dieser Technologien auch Positives bewirken kann. 2016 stimmte ein Großteil der weltweit befragten Konsumenten zu, dass Künstliche Intelligenz einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft haben werde. 40 Prozent der Befragten haben sogar darauf vertraut, dass KI in der Lage sei, Überwachungsaufgaben zu übernehmen.

 

Staat und Unternehmen in der Verantwortung?

“Your scientists were so preoccupied with whether they could, they didn’t stop to think if they should.”

Filmkenner wissen sofort, dass diese Zeile aus dem allerersten Jurassic Park Film kommt, in dem die neue Technologie der wiederauferstehenden Urzeitgiganten nicht gänzlich mit Staunen aufgefasst wurde, sondern auch mit Ehrfurcht. Im Film stellt sich diese Ehrfurcht als durchaus begründet heraus.

Die moderne Gesellschaft ist hier nicht anders. Technische Innovationen und die Möglichkeiten von Bots, Algorithmen und KI begeistern uns fast täglich aufs Neue und finden ihre Wege in unseren Konsum, in unseren Haushalt oder in unsere Hosentasche. Wie sehr die Technologie doch auch zu Unbehagen führen kann, zeigen die Beispiele des Bahnhofs Südkreuz in Berlin oder die im Mai 2018 angewandte Aufmerksamkeitserkennung an Schülern einer Schule im Osten Chinas.

Technologien in den Händen totalitärer Systeme können eine Gefahr für die allgemeine weltpolitische Situation darstellen. Man sollte sie daher mit Vorsicht genießen. Mindestens genauso vorsichtig sollten aber auch Demokratien mit Gesichtserkennung und Co. umgehen. Gerade im postfaktischen Zeitalter, in dem Polarisierung und Spaltung in der Politik und der Gesellschaft spürbarer zu werden scheinen, müssen Entwickler, Unternehmen und Staat aktiv sein. Regularien sind mit Vorsicht zu genießen. Sie können Fortschritt auch hemmen und sollten kritisch diskutiert werden. Aber genau diese Diskussion darf nicht vom sprichwörtlichen Tisch fallen. Ein Kodex, zu dem Unternehmen wie auch Einzelpersonen sich freiwillig verpflichten, könnte ein erster Schritt sein. Damit gewährleistet der Staat den Schutz des Einzelnen, wenn es nötig wird.

 

Was dies für die Kommunikation bedeutet

Wie üblich stellen diese technologischen Entwicklungen auch neue Anforderungen an die Kommunikationsbranche. So wird die Gesichtserkennung auch für Entertainment verwendet. Die wohl berühmtesten Beispielen sind hier Snapchat und der Facebook-Messenger.

Zusammen mit einem Tiefkühlpizza-Hersteller hat Weber Shandwick mit 40 hochauflösenden Kameras die Reaktionen der Menschen auf Pizza aufgezeichnet und mittels Software zur Gesichtserkennung und zum Tracking von Gefühlen ausgewertet. Dabei kam heraus, dass das Glücksgefühl der Teilnehmer am größten war, wenn die lecker duftende Pizza im Ofen gewesen ist. Die Pizza in den Ofen zu schieben, bzw. wieder herauszunehmen, machte die Menschen sogar glücklicher, als sie zu essen! Die Kampagne bewies durch den gewieften Einsatz der Technologie und einiger Testpersonen, dass zum einen die Freude auf eine Pizza am Gesicht messbar ist. Sie zeigte zum anderen aber auch, dass die Freude bei selbstaufgewärmten Pizzas der Pizzakette größer ist, als bei einer gelieferten Pizza.

Gerade das von Brad Smith geforderte Thema Transparenz muss sich in der Kommunikationsarbeit beim Einsatz von diesen Technologien widerspiegeln. Oftmals handelt es sich dabei um sehr komplexe technische Vorgänge. Diese müssen der Allgemeinheit eingängig verständlich vermittelt werden. Dazu bedarf es ein glaubhaftes, verständliches Narrativ. Es empfiehlt sich, solche Technologien in einen Kontext einzubetten, wie beispielsweise die aufgezeigten Anwendungsbereiche der Gesichtserkennung zu Beginn dieses Posts. Dadurch kann sich das Zielpublikum etwas unter den technischen Systemen vorstellen, lernt den Umgang, erhält einen Bezug dazu und versteht die Möglichkeiten besser.

 

 

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