So helfen neue Technologien Parkinson-Patienten

So helfen neue Technologien Parkinson-Patienten

Gadgets wie die Brille zum Autofahren oder eine Backmatte aus Silikon beweisen sich immer wieder als komfortable Lösungen für tägliche „Probleme“. Für viele unter uns sind diese Gadgets kleine Alltagshelden. Für andere können sie lebensverändernd sein. Rund 4,1 Millionen Menschen weltweit sind an Parkinson erkrankt. Unter die Symptomatik fällt u.a. Muskelzittern, das Versteifen von Muskeln, eine mangelnde Stabilität der aufrechten Körperhaltung und verlangsamte Bewegungen.

Dank Big Data und intelligenten Systemen, die die Datenerfassung zur Recherche erleichtern, konnten Entwickler jedoch in den letzten Jahren neue Produkte für die spezifischen Bedürfnisse von mobilitätseingeschränkten Menschen wie Parkinson-Patienten auf den Markt bringen. Am 11. April ist Internationaler Parkinson-Tag, Anlass genug, sich einmal anzuschauen, welche neuen Technologien sich auf dem Markt entwickeln, die Parkinson-Erkrankten im Alltag helfen.

 

Neue Alltagshelfer für Parkinson-Erkrankte

Vor allem medizinisch eingeschränkte Menschen profitieren dank der heutigen Technologie von cleveren Produkten, die das Leben nicht nur erleichtern, sondern auch retten können.

Bereits 2017 berichteten wir über die Emma Watch, die dabei hilft, dass Menschen mit Parkinson ruhig und präzise schreiben und zeichnen können. Diese Uhr arbeitet mit Vibrationen, die das Hirn ablenken und es dadurch daran hindern, die Hände zittern zu lassen.

 

Liftware Steady

Parkinson erschwert mit seinen Symptomen die scheinbar einfachsten Tätigkeiten des Alltags. Alleine das Essen wird für viele ein Kampf mit dem eigenen Körper, unter dem nicht allzu selten auch die Würde leidet. Der Liftware Steady funktioniert durch zu den Tremors entgegenarbeitenden Vibrationen. So wird zwar nicht unbedingt die Hand, dafür aber der Löffel stabilisiert. Für Menschen mit Parkinson heißt das: Essen ohne Kleckern und Entspannung bei der Einnahme von Speisen; alleine oder in Gesellschaft anderer.

 

SmartCane

Das renommierte Unternehmen Fayet, das seit 1909 in Frankreich Gehstöcke herstellt, hat sich mit einem IT-Unternehmen zusammengesetzt, um die unentdeckte Marktlücke der smarten Gehstöcke anzugehen. Der Gehstock nimmt sich Senioren als Zielgruppe und versieht den Gehstock mit einem Chip, welcher durch einen LED-Ring ergänzt wird. Der Gehstock verbindet sich mit dem Handy und sendet im Notfall eine SMS, Mail oder einen Anruf an vorher hinterlegte Kontaktpersonen. Dank des GPS-Moduls ist der Stock in der Lage, Informationen über den Standort des Nutzers weiterzuleiten. Das Signal kann am anderen Ende bestätigt werden und dem Nutzer anzeigen, dass der Hilferuf angekommen ist.

 

ActiveProtective

Gürtel halten einem die Hose hoch und dienen manchmal als modisches Accessoire. Ein Start-up aus den USA hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, einen Gürtel zu entwickeln, der sich im Falle eines Sturzes in weniger als 0,3 Sekunden zu einem Airbag für die Hüfte verwandelt. Während der Entwicklung hat sich der Produktspezialist Zane McKinney 30 bis 40 Mal fallen lassen. Schwere Verletzungen an der Hüfte können von permanenter Einschränkung der Mobilität bis hin zum Tod führen. Dank Wi-Fi und Bluetooth werden beispielsweise an Pflegekräfte Nachrichten oder Mails gesendet, sodass sofort Hilfe gefordert werden kann. Bewegungssensoren ermitteln und lernen Gehmuster des Nutzers und können somit sofort erkennen, wenn Unregelmäßigkeiten, die einen Fall indizieren, auftreten.

 

Notch 3D motion sensor

Auch während der Therapie mit Physiotherapeuten können Gadgets und Wearables dazu genutzt werden, die Effizienz der Behandlung Parkinson-Erkrankter zu steigern. Mithilfe von Sensoren, die am Körper angebracht werden, können Bewegungen des Trägers in Echtzeit aufgenommen und durch eine App visualisiert werden. Die Technologie wird schon seit einiger Zeit bei Leistungssportlern während des Trainings angewendet, um Spitzenwerte zu erreichen. Die Technologie kann aber auch während der Therapie genutzt werden, um Daten zu sammeln, die zur Erweiterung der Mobilität von Nutzen sein können.

 

GyroGlove

Der GyroGlove ist ein von dem Mediziner Faii Ong entwickelter Handschuh, der anhand eines Gyroskops dem Zittern der Hand entgegenwirkt. Die Technologie der Gyroskopen wird unter anderem in der Luftfahrttechnik und in Smartphones verwendet. Der Handschuh funktioniert, indem im Inneren ein Gyroskop-Modul einen symmetrischen Kreisel auf einem Lager rotiert. Den unkontrollierten Handbewegungen von Parkinson-Patienten wird so entgegengewirkt und die Hand stabilisiert. Dabei werden die Bewegungen der Hand verlangsamt, die Bewegungsfreiheit wird aber nicht eingeschränkt.


Die Parkinson-Krankheit bedeutet für viele Menschen einen schweren Schicksalsschlag. Daher ist es umso wichtiger, offen darüber zu informieren, darüber zu kommunizieren und dank neuer Technologien dabei zu helfen, den Lebensalltag der Erkrankten zu verbessern. Menschen, die eine erschütternde Diagnose wie Parkinson erhalten, wollen deswegen noch lang nicht an Lebensqualität einbüßen. Diese Menschen sind die Motivation hinter diesen Produkten und schließlich ja auch Nutznießer dieser Entwicklungen.

Bild Credits Header: ©Brad Neathery– unsplash.com