Auf ein Wort – `n Apostroph

Auf ein Wort – `n Apostroph

Am 21. Februar jährte sich der im Jahr 2000 von der UNESCO ausgerufene Internationale Tag der Muttersprache. Er soll an die Bedeutung von Sprache als Kulturgut erinnern. Da mag es fast ketzerisch erscheinen, dass wir uns heute an dieser Stelle mit einer Verkürzung, ja geradezu Beschneidung eben dieses Kulturgutes beschäftigen wollen. Doch wenn man aus Gründen der Sprachökonomie, Zeitersparnis oder auch einfach Bequemlichkeit schon die eigene Sprache zu Kurzformen zusammenfasst, dann doch bitte nach den geltenden grammatikalischen Regeln.

Immer wieder hört oder liest man allerdings Sätze wie „Ich habe ´nen Foto gemacht“ oder „Mein Freund hat dort ´nen kleines Ferienhaus“. Manch einer mag sagen, das sei Umgangssprache, und hat Recht. Dennoch ist sie in der hier verwendeten Form des Apostrophs falsch.

Der Apostroph in oben stehenden Konstruktionen zeigt eine Auslassung an. Er ersetzt einen vom Sprecher ausgelassen Buchstaben oder Wortteil. Was er allerdings nicht ersetzt, ist das ursprüngliche Geschlecht des Objektes, auf das sich der unbestimmte Artikel bezieht. Aus einen wird `nen: „Ich habe `nen Hund/ Computer/ Gedanken…“ All diese Objekte besitzen einen männlichen Artikel. Wären sie weiblich, hieße es korrekt „Ich habe `ne Katze/ Jacke/ Ahnung…“ Und wenn sie sächlich sind, sagt man „Ich habe `n Pferd/ Foto/ Motto…“ In allen Formen wird das ei aus dem Wortstamm herausgelassen und lediglich die Endung, je nach Geschlecht, gesprochen.

Wer das im Hinterkopf behält, läuft weniger Gefahr, seinem Publikum beim Zuhören `nen eiskalten Schauer über den Rücken laufen zu lassen.

 

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