8 Dinge, die ich auf # theconf gelernt habe

8 Dinge, die ich auf # theconf gelernt habe

Ein paar Tage Hoffnung und Zukunft: Letzte Woche haben sich rund tausend helle Köpfe und Irgendwas-mit-Internet-Menschen in Malmö getroffen. Mit einer wohl kuratierten Auswahl an Themen und Speakern im Spannungsfeld von „Human Behavior“, „New Technology“ und „Make it happen“ ist The Conference (auf Twitter # theconf) eine Digitalkonferenz, die erfrischenderweise den Kulturschock des Internets überwunden hat. Zukunftsweisend wird über den Tellerrand des täglichen Social Media und Digital Marketing Buzzword-Bingos hinwegschaut.

Hier ging es einmal nicht um die neusten Social-Media-Marketing-Kniffe, um kreative Case-Schlachten oder darüber, wie das Internet das traditionelle Mediengeschäft verändert. Vielmehr steht das Teilen von Learnings im Vordergrund. Es ging um die Bestandsaufnahmen ohne Ableitung direkter Handlungsanweisungen unter dem Motto „Exploring complexity in a digital world“. Keine einfachen Antworten, sondern eine Reise mit dem Ziel, optimistisch in die Zukunft zu blicken und die Frage nach dem humanen „Wozu“ der digitalen Transformation zu stellen. Die meisten Talks gibt es als Video im Netz. Hier sind meine Highlights:


1. How to like people

Zu Beginn jeder Keynote im großen Saal gab Derek Sivers einen kurzen Impuls mit Learnings und Zitaten aus Büchern, die er gelesen hatte. Das hatte den vorteilhaften Effekt, dass die Zuschauer im Saal auf einen gemeinsamen Nenner gepolt wurden, was der allgemeinen Konzentration im Saal half. Hier der Einstiegsimpuls „How to like people„, mit dem „The Conference“ am ersten Tag eröffnet wurde.

2. Know that you don’t know yourself

-var-web-visualprod-data-um-storage-containers-10820427-10820436-d7-12065419-video_originalPetter Johansson ist Kognitionswissenschaftler an der Universität Lund. Das Hauptthema seiner Forschung ist die Selbsterkenntnis: Wie viel wissen wir über uns selbst, und wie kommen wir zu dieser Erkenntnis? Hier spricht er über Auswahl, Blindheit und Selbsterkenntnis. Also über das, was wir denken, über uns zu wissen, aber was wir in Wirklichkeit gar nicht sind.

3. Stockphotos of happy people don’t work for selling things

User Experience Designer und Autor Joe Leech schildert am Beispiel des Relaunchs eines Online-Booking-Portals für Kreuzschifffahrtreisen für ältere Menschen, wie aus der User Experience Perspektive die gesunde Mischung aus Psychologie und Design Menschen bei der Entscheidungsfindung hilft. Dabei zeigt sich, dass die perfekte User Journey von älteren Menschen in einem Online-Shop ganz anderen Mechanismen folgt, als man als Digital Native denkt.

4. To the iPad generation: print is just a broken touch screen

-var-web-visualprod-data-um-storage-containers-10820427-10820438-29-12067126-video_originalKate Stone (@drkatestone) zeigt und erzählt ihn ihrem sympatischen Talk ganz ohne Powerpoint-Präsentation, wie sich digitale Interaktivität mit Alltagsgegenständen verbinden lässt. Bei ihrem kurzen Blick in die Zukunft wird deutlich, dass die Zukunft sich gar nicht wie die Gegenwart anfühlen könnte, sondern eher wie die Vergangenheit: eine analoge, physische Welt mit einer digitalen Seele.

5. How to be more of a romantic and love your job with the ‘Rules of Enchantment’

Chief Marketing Officer und Autor Tim Leberecht stellt sein Buch „The Business Romantic“ vor und zeigt auf, warum wir eine neue Romantik und mehr Magie in der Kommunikation brauchen. Sein Plädoyer für eine neue Ära der Romantik in der Geschäftswelt basiert auf drei Regeln der Verzauberung: das Großartige im Kleinen finden, das Mystische bewahren und die Kultivierung des Leidens. Steckt nicht in jedem von uns ein Romantiker?

6. Adding personality to storytelling is key 

Der Gründer und CEO von Museum Hack Nick Gray spricht darüber, wie wir aus jedem uns zur Verfügung stehenden Material Geschichten entwickeln können. Sein Rezept: Persönlichkeit des Erzählers, Einbindung des Publikums durch Aktivitäten, gewürzt mit etwas Klatsch und Tratsch. Hier sein bis ins Detail durchgestylter Talk Finding and Using Stories.

7. Big Data is not the new oil, it’s the new wood to make beautiful objects and storytelling from

-var-web-visualprod-data-um-storage-containers-10820427-10820437-5d-12072925-video_originalDesigner, Gründer und Künstler Nicholas Felton zeigt in seinem Vortrag neue Formen von visueller Kommunikation, die möglich werden, wenn Fotografie und Datenvisualisierungstechniken zusammen kommen und zu komplexem Storytelling verbunden werden. Eine kurze Reise und kreative Bestandsaufnahme zu dem, was heute digitale Fotografie sein kann.

8. Robot ethics is about us humans and about our relationships with each other

Roboter werden in Zukunft sehr wahrscheinlich eine immer größere Rolle in unserem Leben einnehmen. Kate Darling vom MIT Media Lab vermittelt in ihrem Talk ein Grundverständnis darüber, was Roboter für uns Menschen bedeuten und wie wir mit unseren neuen Freunden interagieren werden. In ihrer Forschung untersucht sie menschliche Instinkte und unsere emotionale Perzeption von Robotern. Dabei finden wir durch Roboter mehr über das Menschsein heraus: Robots, humans and artificial intelligence.

Diese kleine, subjektive Auswahl an Vorträgen kann natürlich nur einen Bruchteil der ganzen Konferenz vermitteln. Es lohnt sich, tiefer in dem Videoarchiv von „The Conference“ zu stöbern. In Diskussionen mit anderen Teilnehmern auf der Konferenz stellte sich sehr oft heraus, dass auch noch Vorträge aus den letzten Jahr empfohlen wurden. Und mal ehrlich: So eine lange Halbwertszeit von Konferenz-Vorträgen findet man heute wirklich selten.

Beeindruckt haben mich nicht nur die Qualität des Programms und die Rahmenveranstaltungen selber, sondern auch das Usability-Design der Konferenz. Statt einer unübersichtlichen Masse an mittelmäßigen Themen wird sich in zwei Programmsträngen auf das Wesentliches konzentriert. Fokus statt Beliebigkeit und das „The Conference“-Team achtet bei der Themenauswahl sehr genau auf eine stimmige Dramaturgie.

Jeder Vortrag passt in ein gesamtes Ganzes. Ich hatte endlich einmal nicht – wie bei anderen Konferenzen – das ständige Gefühl, gerade wieder nicht im richtigen Raum zu sitzen, weil einer der anderen acht Programm-Tracks sicher gerade viel spannender ist. Mit kleinen Kniffen in der Konferenz-Architektur wurden eingefahrene Verhaltensweisen aufgebrochen und Alibis zur Interaktion mit anderen Teilnehmern geboten. Hinzu kamen kleine, analoge Details: von Helfern, die mit responsiven Wegweiser-Tafeln einem immer den richtigen Weg wiesen, kleine Anhänger zum Sammeln der einem wichtigen Vorträge oder Tafeln, auf denen Teilnehmer ihre persönlichen „First Steps to Action“ nach der Konferenz notieren konnten. The Conference bleibt mir als eine sehr liebevoll durchdachte, menschliche Konferenz in Erinnerung.

conf

Ein von tristessedeluxe (@tristessedeluxe) gepostetes Foto am 21. Aug 2015 um 12:35 Uhr