Begriffswirrwarr „autonomes“ vs. „vernetztes“ Fahrzeug – Was ist was?

Begriffswirrwarr „autonomes“ vs. „vernetztes“ Fahrzeug – Was ist was?

Die Digitalisierung ist Zukunftstreiber und Schreckgespenst zugleich. Meinte unsere Bundeskanzlerin vor fünf Jahren noch, das Internet sei „für uns alle Neuland“, so träumen wir doch mindestens genauso lang von vollständig autonomen Fahrzeugen und manche christlich-soziale Partei in Bayern sieht sich sogar schon in Flugtaxis zum jährlichen Politiker-Derblecken am Nockherberg anreisen. Gut, letzteres ist dann doch etwas weit hergeholt, doch der Traum vom autonomen Fahren ist keine reine Science-Fiction-Fantasie mehr. Glaubt man führenden Automobilexperten, so wird das Auto (in nicht allzu ferner Zukunft) unser zweites Wohnzimmer, in dem wir uns von A nach B bewegen können, ohne noch tatsächlich selbst fahren zu müssen. So soll der Mensch mehr Zeit gewinnen, die er dann mit Lesen, Filmeschauen, Arbeiten oder einem Nickerchen auf dem Weg zur Verwandtschaft verbringen kann. Der langfristige Plan lautet: Alles wird vollautomatisiert, unsere Fahrzeuge werden miteinander kommunizieren und somit den Straßenverkehr sicherer machen – dank modernster Vernetzungstechniken.

 

Wenn wir schon beim Thema Vernetzung sind: Neben dem großen Zukunftstraum autonomes Fahren wird auch gerne die Bezeichnung Connected Car im gleichen Zusammenhang genannt – und nicht jedem ist klar, worum es sich konkret handelt. Es gab in den vergangenen Jahren zahlreiche Studien, die zeigen, dass bei beiden Begriffen aufgrund mangelnder Aufklärung durch die Industrie noch ein großes Wissensdefizit vorherrscht. Im Folgenden versuchen wir, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Autonomes Fahren

Fangen wir mit Autonomem Fahren an. Momentan befinden sich die neuesten Fahrzeugmodelle von BMW, Audi, Daimler und Co. auf Autonomiestufe eins oder zwei – von insgesamt sechs möglichen. Wir sprechen hier also erstmal nur von assistiertem oder teilautomatisiertem Fahren. Stufe drei, vier und fünf sind noch Zukunftsmusik, aber was noch nicht ist, kann (und wird sicherlich) noch werden. Bisher sind keine Fahrzeuge mit Autonomiestufe drei bis fünf zugelassen, dennoch könnten sie auf einigen deutschen Autobahnabschnitten bereits eingesetzt werden. Die Strecke zwischen München und Ingolstadt wurde bereits im pilotierten Fahren getestet.

Die verschiedenen Autonomiestufen

Hier ein kurzer Überblick über die sechs Autonomiestufen:

  • Autonomiestufe 0: Der Autofahrer fährt selbst, er lenkt, bremst, gibt Gas. Das Fahrzeug übernimmt eigenständig keine fahrerischen Tätigkeiten (aufgrund fehlender technischer Systeme).
  • Autonomiestufe 1: Assistiertes Fahren; Fahrassistenzsysteme sind erlaubt, das Fahrzeug unterstützt den Fahrer zum Beispiel beim Berganfahren, besitzt eine Abstandsregelung etc.
  • Autonomiestufe 2: Teilautomatisiertes Fahren; das Auto übernimmt Aufgaben des Fahrers: automatisiertes Einparken, Fahrzeug kann eingreifen, z. B. durch Spurhalten oder rechtzeitiges Abbremsen (Stauassistent).
  • Autonomiestufe 3: Hochautomatisiertes Fahren; Bedingungsautomatisierung, das Auto kann Funktionen ohne den Fahrer ausführen. Das Fahrzeug setzt eigenständig den Blinker, wechselt die Spur, passt seine Geschwindigkeit dem Verkehr an. Der Autopilot kann dem Fahrer die Warnung geben, das Steuer wieder selbst zu übernehmen.
  • Autonomiestufe 4: Vollautomatisierung; das System fährt das Fahrzeug eigenständig, nur in vom System nicht mehr zu bewältigenden Situationen kann der Fahrer aufgefordert werden, das Steuer zu übernehmen.
  • Autonomiestufe 5: Der Mensch ist überflüssig; Reine Festlegung des Ziels, die Fahrzeuge können komplett ohne Fahrer agieren.

 

Fazit: Der (technische) Weg bis zum vollautonomen Fahrzeug ist noch weit, ganz abgesehen von den unausweichlichen ethischen Fragen und sonstigen rechtlichen Bedenken, die noch nicht annähernd ausgeräumt sind.

Was ist ein Connected Car?

Als Connected Car wird ein Fahrzeug bezeichnet, das mit Internetzugang und meistens auch WLAN ausgestattet ist – dadurch kann das Fahrzeug die Internetverbindung mit anderen Geräten teilen. Es gibt fünf Kategorien, um die Vernetzung von Fahrzeugen und ihrer Umgebung und der Kommunikation mit ihr einzuteilen:

 

  1. V2I „Vehicle to Infrastucture“ (Fahrzeug zu Umgebung)
  2. V2V „Vehicle to Vehicle“ (Fahrzeug zu Fahrzeug)
  3. V2C „Vehicle to Cloud“ (Fahrzeug zu Cloud)
  4. V2P „Vehicle to Pedestrian“ (Fahrzeug zu Fußgänger)
  5. V2X „Vehicle to Everything“ (Fahrzeug zu Allem)

 

Die verbundenen Fahrzeugsegmente können in acht Kategorien unterteilt werden:

  • Mobilitätsmanagement – z. B. aktuelle Straßeninformationen, Parkplatz- oder Garagenassistenten, geschätzter Spritverbrauch
  • Einkauf – z. B. Benzin, Essen und Trinken, Parkplätze, Maut
  • Fahrzeug-Management – z. B. Fahrzeugkonditionen, Service-Erinnerungen und Transfer von Nutzungsdaten
  • Schadenvorbeuge – Verbindung zum Vorbeugesystem, das Schäden vorhersagt und über Smartphone oder SMS benachrichtigt
  • Sicherheit – z. B. Fahrzeugkonditionen, Service-Erinnerungen
  • Entertainment – z. B. Smartphone-Interface, WLAN Hotspot, Musik, Video, Internet, Social Media
  • Wohlbefinden – z. B. automatische Umweltanpassungen und medizinische Versorgung

 

Fazit: Ein vernetztes Fahrzeug, das am Ende auch mit anderen Fahrzeugen im Straßenverkehr kommunizieren soll, ist Grundvoraussetzung für autonomes Fahren. Grundsätzlich kann Vernetzung aber auch unabhängig vom autonomen Fahren stattfinden. Ein Beispiel dafür ist der elektronische Notruf, der seit diesem Jahr in Neuwagen Pflicht ist. Er funkt einen Notruf mit Standortdaten im Falle eines Unfalls an eine zentrale Leitstelle, sobald Sensoren im Airbag oder Sicherheitsgurt aktiviert werden.

 

Natürlich birgt so eine Vollvernetzung nicht nur Vorteile, sondern auch immer Gefahren, vor allem im Hinblick auf Datensicherheit und Cybersicherheit. Automobilhersteller müssen sicherstellen, dass ihre vernetzten Fahrzeuge keine Angriffsfläche für Hacker bieten, die die Kontrolle über das betroffene Fahrzeug übernehmen könnten. Es ist auch Aufgabe der Automobilhersteller, Endverbraucher über Chancen und Risiken zu informieren – und hier herrscht bekanntlich noch großer Nachholbedarf. Eine umfassende und ehrliche Kommunikation ist das A und O. Hier können wir als Kommunikationsexperten helfen.