#CannesUncovered – Blick auf die Cannes Lions 2016

Titelbild-Copyright: „All Lions “ by Ikartina, on wikimedia.org, under Creative Commons Licence – 5 Cannes Lions – no changes made

Am 9. Februar 2016 hatte ich das Vergnügen, als Speaker bei einem vom ICCO und dem Cannes Lions Festival of Creativity organisierten Talk #CANNESUNCOVERED in London dabei sein zu dürfen – zum einen, um von meinen Jurytätigkeiten 2015 zu berichten, zum anderen, um einen Ausblick auf die spannende Award-Saison 2016 zu geben.

ICCO hatte zu diesem Austausch hauptsächlich regionale, in London ansässige Agenturen in das neue Office von Ketchum eingeladen. Am Ende waren etwa einhundert Repräsentanten der Kommunikationsbranche da, hauptsächlich PRler und Agenturen, die bisher noch nie etwas in Cannes eingereicht haben und sich hier Unterstützung, Informationen und Hinweise darauf erhofften, ob und wie sie am besten dabei sein können.

HeinekenZu Beginn gab Cannes Lions‘ Corporate Development Director Rob Dembitz, alter Bekannter und enger Partner in einigen vorangegangenen Veranstaltungen von Weber Shandwick, eine Einführung in die immerwährende Frage: Warum ist Kreativität so bedeutend? Angesichts des regen Verkehrs auf Twitter, den man über den Hashtag #CANNESUNCOVERED gut mitverfolgen konnte, bot sein Hightlight-Case von Heineken schöne Insights darüber, wie das Unternehmen erfolgreich die vom Cannes-Festival als so wichtig bewertete Kreativität zum Herzstück seiner Marketing-Maßnahmen gemacht hat. Das Schlüsselinstrument bei Heineken war dabei eine sogenannte Kreativskala, mit der die Teams ihre Arbeiten bewerten, eine 10-Punkte-Skala, die ähnlich ist wie eine, die wir auch bei Weber Shandwick nutzen, um Kreativtrainings durchzuführen. Und offenbar scheint dies eine sehr effektive Taktik zu sein, um den kreativen Ehrgeiz innerhalb eines Unternehmens oder einer Organisation anzukurbeln – niemand möchte hier mit einer destruktiven oder verwirrenden Markenkommunikation ankommen!

Und warum ist nun Kreativität so relevant: weil es signifikante Korrelation zwischen dem Aktienkurs und den in Cannes gewonnenen Awards im gleichen Zeitraum gibt. Dazu zitierte Rob das Buch „The Case for Creativity“ von James Hurman, der dem Kontext dieses Zusammenhangs gleich ein ganzes Kapitel gewidmet hat.

Neuigkeiten bei den PR Lions

Charlene Corrin, verantwortlich für die PR Lions beim Cannes Lions Festival, und quasi die gute Seele der PR Jury, präsentierte im weiteren Verlauf einige Änderungen, die die Awards 2016 betreffen. Mit der heranrollenden ersten Einreichungsfrist am 24. März gibt es neue Kategorien, die interessant sind und unbedingt betrachtet werden sollten.

  • Der erste Neuling heißt „Content-led engagement & marketing“ und blickt sowohl auf die Kreation als auch Verbreitung von online/offline produziertem Content für Marken und Unternehmen.
  • Die zweite (und sehr geschätzte) Neuerung innerhalb der PR-Kategorien ist der Schwerpunkt auf Data & Measurement, die in der Kategorie „PR Excellence in effectiveness“ zusammengefasst wurde – sie erkennt kreative Kampagnen, die einen messbaren und bewährten Effekt auf das Kundengeschäft haben und damit das positive Image des Unternehmens fördern.
  • Die dritte neue Kategorie heißt „PR Reports“. Hier werden ab 2016 die besten Unternehmens- und Finanzberichte – online wie auch offline – gewürdigt, die durch ein besonderes Design und tolle Schreibkompetenzen hervorstechen.
  • Neu ist zu guter Letzt auch, dass eine Kampagne nun 4x (statt wie früher 3x) in PR-Kategorien eingereicht werden kann. Dies erweitert die Möglichkeit in vorab sorgfältig ausgewählten Kategorien auch gewinnen zu können.

Mit diesen Neuerungen steigt die Zahl der Kategorien auf insgesamt 42.

Im dritten Abschnitt der Veranstaltung gab es eine Panel-Diskussion, bei der drei Jurymitglieder der vergangenen Jahre, darunter auch ich, auf die Award-Saisons 2012, 2014 und 2015 zurückblickten. Jeder von uns sollte einen Case mitbringen, den er als besonders für das PR-Agentur-Publikum hielt. Ich persönlich entschied mich für den „Groceries not guns“-Case, und zwar aus ganz verschiedenen Gründen. Die Arbeit zeigt deutlich (und auf überraschende Art und Weise), was öffentlich von einer Marke erwartet wird, um bei den Cannes Lions eine Daseinsberechtigung zu haben. Bei dem Case wusste man genau, was das Ergebnis sein sollte (und auch war), nichts wurde dem Zufall überlassen. Und der Case erreichte eine gesellschaftliche Bewusstseins- und Verhaltensänderung: alles wichtige Kriterien für die 2015er Jury. Zu guter Letzt besticht die Kampagne einfach durch einen genial kreativen Storytelling-Blickwinkel, den ich „Give & Go“ nannte – ein großes Unternehmen mit einer großen PR-Abteilung stand vor der Herausforderung, einen wesentlichen, fest etablierten und gesetzlich verankerten Tatbestand zu ändern, ohne dabei die öffentliche Meinung und die Dynamik der heutigen Medien außer Acht zu lassen – in diesem Sinne spiegelt der Case sehr viele Facetten kreativer PR-Kampagnen von 2015 wider.

Cannes Lions 2015: Groceries Not Guns, Moms Demand Action For Gun Sense In America (Grey Canada Toronto) from MediaCat TV on Vimeo.

Pixabay_wine-791133Anregende Diskussionen über die Bedeutung und Kunst, gute Case-Filme zu produzieren, und das obligatorische Glas Rosé rundeten nicht nur diesen sehr angenehmen und informativen Abend ab, sondern brachten auch in mir starke Emotionen hervor und die Vorfreude auf eine großartige Cannes-Saison 2016. In diesem Sinne: Prost auf alle PR Lions, die bisher von großartigen PR-Agenturen gewonnen wurden (sicherlich hätte ich nichts dagegen, wenn wir das von Zeit zu Zeit sind…) und auf die großen und mutigen Aufgaben, die die Zukunft noch für uns bereithält.