#talknerdytome – Darknet: Die unbekannte Welt, tief unter unserem Internet

#talknerdytome – Darknet: Die unbekannte Welt, tief unter unserem Internet

In unserer Blogreihe „Talk Nerdy To Me“ beweist das Tech-Team von Weber Shandwick in regelmäßigen Abständen, wie viel Expertise in ihnen steckt. Automotive, KI, Chatbots, Lidar, Blockchain und Co. sind für unsere Techies schon längst keine Fremdbegriffe mehr, sondern gehören zum alltäglichen Wortschatz. Hier klären sie auf.

 

Das Internet ist ein Ort, den wir alle kennen. Jeden Tag sind wir darin unterwegs, ob beruflich oder privat. Wir glauben, dass wir alle Tricks draufhaben, alle wichtigen Seiten und Verbindungen schon einmal gesehen haben.

Doch weit gefehlt, liebe unschuldige Freunde des oberflächlichen Surfens: das haben wir nicht! Denn tief verborgen unter dem Netz, über das wir Katzen-GIFs versenden oder Musik streamen, liegt eine viel größere Welt: Die Welt des Darknet.

Um keinen Teil des Internets ranken sich so viele Mythen und Fragen wie um diesen: Ist das Darknet illegal? Ist es nur für Hacker zu erreichen? Wie kommt man da überhaupt rein? Diese und andere Fragen wollen wir in unserem Blogbeitrag klären.

 

1. Darknet – Wo ist das und wie stelle ich mir das vor?

 

Tatsächlich ist das Darknet ein Teil des Internets, wie wir es kennen. Stellt euch einen Eisberg vor, dessen Spitze aus dem Wasser ragt: Was oben rausschaut, ist das freizugängliche, altbekannte Internet, auch „Surface Web“ genannt. Der Teil unter Wasser gehört eigentlich auch dazu, ist aber nicht mehr so einfach zu erreichen. Man braucht eine Taucherausrüstung, um dort hin zu kommen.

 

2. Wie komme ich ins Darknet und muss ich dazu ein Hacker sein?

 

Weder der Eingang ins Darknet noch die Nutzung hat irgendetwas mit Hacken zu tun. Man muss keine grünen Zahlenreihen auf schwarzem Hintergrund entschlüsseln, sondern sich einfach nur das richtige Equipment besorgen. Den Zugang ermöglichen spezielle Browser, die kostenlos im ganz „normalen“ Internet downloadbar sind. Der Tor-Browser beispielsweise basiert auf Firefox und sorgt für zwei Dinge: Er öffnet eine Tür, durch die ein User anonymisiert ins sogenannte Tor-Netzwerk einsteigen kann. Die IP-Adresse wird dabei verschlüsselt und über verschiedene Server geroutet, so dass Außenstehende ihren Weg nicht mehr nachvollziehen können. „Tor“ steht passenderweise für „The Onion Router“, wobei Onion (dt. Zwiebel) die vielen Schichten an Servern symbolisiert, die die Daten auf ihrem Weg zum Ziel-Webserver durchdringen müssen. Lediglich der Einstiegspunkt enthält die unverschlüsselte IP-Adresse – dies umgehen User, indem sie über einen VPN ins Tor-Netzwerk einsteigen.

Die Kombination aus speziellem Browser und VPN erlaubt es so, völlig unerkannt online unterwegs zu sein. Über den Browser lassen sich auch Webseiten anwählen, die über seine klassischen Pendants (Firefox, Safari und Co.) überhaupt nicht erreichbar wären – selbst wenn man die URL penibel genau eingeben oder sie über eine Suchmaschine laufen lassen würde. Diese verschlüsselten Seiten sind das, was wir „Darknet“ nennen. Natürlich kann der User auch auf ganz normalen Websites surfen – seine Welt hat sich durch den speziellen Browser einfach um die vorher verschlüsselten Bereiche erweitert. Allerdings wird der Darknet-Browser den User auch auf dem Weg zu einer Surface-Web-Seite wie Google oder Ebay über mehrere Server leiten, um seine Anonymität zu wahren. Das heißt, das Anwählen einer gewohnten Website kann im Tor-Netzwerk plötzlich merklich länger dauern, als über einen Standard-Browser. Bis hierhin ist übrigens alles noch völlig legal.

 

3. Und warum sagen dann alle, das wäre illegal?

 

Auch wenn der Zugang an sich nicht verboten ist: Sobald wir im Tor-Netzwerk sind, verschwimmen die Grenzen zwischen legal und illegal. Der User muss extrem vorsichtig sein, auf welchen Seiten er sich bewegt. Denn es gibt eine Menge Websites und Portale, auf denen verbotene Geschäfte betrieben werden. Zu diesem Zweck wurde das Darknet leider auch entwickelt: Filesharer suchten nach einem Weg, unentdeckt zu bleiben, nachdem Behörden ihr Treiben auf Tauschbörsen wie Napster, eDonkey oder BitTorrent stärker unter die Lupe genommen hatten.

Der Beginn des Darknet war die Idee, ein verstecktes Pendant zu den öffentlich zugänglichen Peer-to-Peer-(P2P-)Plattformen zu schaffen. Da die Kontrollmechanismen des Surface Web nicht mehr greifen, ist es für einen User schwer zu erkennen, ob die Inhalte einer Website legal oder illegal sind. Und selbst wenn jemand gar nicht vor hat im Darknet etwas Unerlaubtes zu tun, kann es ihm versehentlich trotzdem passieren: Wenn die Thumbnails, also die kleinen Vorschaubildchen der Suchergebnisse, im Browser-Cache landen und damit auf dem Computer – wenn auch nur vorübergehend – gespeichert werden, reicht das bereits für eine Anzeige.

Ebenfalls gefährlich: Auch Daten wie Kontonummern oder Adressen können im Darknet leicht gestohlen und wiederverkauft werden. Jedem, der diese Form des Surfens ausprobieren möchte, muss klar sein, dass er zwar theoretisch vor behördlicher Verfolgung geschützt ist, nicht aber vor kriminellen Datendieben oder Viren. Als unbehelligter Nutzer, der nichts Böses im Sinn hat, geht man daher immer ein großes Risiko ein.

 

4. Gibt es also wirklich nur Kriminelle im Darknet?

 

Nein, ganz und gar nicht. Die Anonymität an diesem Ort hat nämlich auch etwas Positives: vor allem für Menschen, die in totalitären Staaten oder Diktaturen leben. In Nordkorea oder China beispielsweise überwachen Regierungen jeden Schritt, den Bürger im Internet gehen. Eine E-Mail mit dem falschen Inhalt oder ein regimekritischer Post auf Facebook können einen in sehr große Schwierigkeiten bringen. Das Darknet ist für diese Menschen oft die einzige Möglichkeit, unabhängige Informationen zu beschaffen oder auszutauschen – denn nur hier können sie sich frei und gefahrlos online bewegen.

Journalisten beispielsweise nutzen dieses Paralleluniversum schon lange, um darüber verschlüsselt mit Whistleblowern oder Oppositionellen zu kommunizieren. Mit Sicherheit hätte die westliche Welt wesentlich weniger Einblick in die Geschehnisse innerhalb bestimmter Staaten, wenn es diese verschlüsselte Kommunikationsplattform nicht gäbe. So konnten beispielsweise auch die Aktivisten des Arabischen Frühlings über das Tor-Netzwerk auf Social-Media-Kanäle zugreifen und ihre Informationen über die Revolution verbreiten.

 

Fazit: Es ist also kompliziert

 

Letztendlich ist es ein zweischneidiges Schwert, dieses „dunkle Netz“. Kriminellen bietet es eine einzigartige Plattform für illegale Geschäfte, die unter anderem Drogen-, Waffen- und Menschenhandel sowie Kinderpornographie fördert, versteckt vor Staat und Behörden. Durch die globale Vernetzung lässt sich eine Schusswaffe so schnell verkaufen, wie ein Buch auf Amazon.

Gleichzeitig ist das Darknet aber auch eine Zuflucht für alle, die unter staatlichen Regimen leiden und für die die Behörden nicht die Guten, sondern die Bösen sind. Für diese Menschen erfüllt es den eigentlichen Zweck des Internets sogar noch viel stärker, als das Surface Web: es bietet Freiheit und Unabhängigkeit sowie Schutz vor staatlicher Restriktion.

 

Du outest dich als Nerd, wenn …

 

… du weißt, dass es zwischen dem Surface Web und dem Darknet auch noch das Deep Web gibt. Dieser Bereich klingt zwar spannend, ist aber tatsächlich eher von der langweiligen Sorte. Er beinhaltet vor allem Datenbanken von Universitäten, Bibliotheken, Krankenhäusern usw. Diese sind zwar frei über normale Browser zugänglich, allerdings nicht in Suchmaschinen indexiert und oft durch einen klassischen Passwortschutz nur für Angestellte oder Mitglieder einsehbar.

 


 

#TALKNERDYTOME

Fordere das Technology-Team heraus und schicke uns deinen ultimativen Nerd-Begriff. Wir erklären ihn dann in einem der nächsten Beiträge. Schick einfach eine E-Mail mit deinem Begriff an kontakt@webershandwick.com.

 

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