Green Transition – Consumer Empowerment von der Zapfsäule bis zur Wursttheke

Green Transition – Consumer Empowerment von der Zapfsäule bis zur Wursttheke

Wer ab Oktober sein Auto tanken muss, wird nicht nur wegen der ständig steigenden Spritpreise ins Grübeln kommen, ob sich der alte Diesel wirklich noch rechnet, auch ein gelber Zettel, der ab dem 1. Oktober 2021 an jeder Zapfsäule hängt, wird das ein oder andere Fragezeichen hinterlassen. Zu sehen ist darauf nämlich, wie tief der Diesel- Super- oder Elektrobetanker durchschnittlich auf 100 Kilometern in die Tasche greifen muss. Der gelbe Zettel ist das Ergebnis der Novellierung des Energiewirtschaftsgesetzes und soll das große Informationsdefizite bei Verbraucherinnen und Verbrauchern zu alternativen Antrieben und Kraftstoffen verringern und so auch bewusste Entscheidungen für nachhaltige Alternativen ermöglichen.

Das ist auch das Ziel der „Green Transition – empowering consumers to play an active part“ der Europäischen Union. Nicht nur die EU-Verbraucherpolitik will den Konsument:innen eine aktive Rolle in der Umstellung auf eine nachhaltigere Wirtschaft geben, auch die Unternehmen selbst haben diesen Hebel der Glaubwürdigkeit einer transparenten Nachhaltigkeitskommunikation längst für sich entdeckt.

 

Du bist, was Du isst – nämlich Klimasünder:in oder -Schützer:in

Verbraucher:innen die wichtigsten Fakten für eine Kaufentscheidung pro Klima direkt auf der Verpackung zu präsentieren, hat Oatly im letzten Jahr vorgemacht. Den CO2-Fußabdruck der eigenen Hafermilch im Vergleich zum konventionellen Milchprodukt prominent auf dem TetraPak platziert und schon hatten die Hafermilchtrinker:innen einen handfesten Beweis dafür, mit dem Griff zum Milchersatz auch eine Entscheidung für das Klima zu treffen. Oatly gelang dann mit einer entsprechenden Petition für verpflichtende CO2-Kennzeichnung auf allen Lebensmitteln nicht nur der ganz große PR-Wurf, sie positionierten ihr Produkt gleichzeitig als Vorreiter in der Befähigung von Konsument:innen, nachhaltigere Entscheidungen zu treffen. Zwar schaffte es der Oatly Co-Geschäftsführer, dank mehr als 57.000 Petitionsunterzeichner:innen, bis in den deutschen Bundestag, politisch verankert ist bislang aber nichts. Für Oatlys Image nicht entscheidend, denn in den Köpfen der Verbraucher:innen hat es Oatly in die besonders klimafreundliche Schublade geschafft.

Den stärkeren Wunsch von Verbraucher:innen, sich nicht nur gesund, sondern möglichst auch klimafreundlich zu ernähren, hat auch die Schweizer Supermarktkette Migros erkannt und seit März dieses Jahres kennzeichnen Sterne wie klima- und tierfreundlich Produkte der Eigenmarken sind.

Mit Schon Bewusst stößt auch REWE in diese Kerbe und informiert die Supermarktkäufer:innen am POS und online, wie bewusste Einkaufsentscheidungen einen wirklichen Unterschied machen können.

 

Produktökobilanz: Transparenter geht es kaum

Noch transparenter macht es die Rügenwalder Mühle. In einer umfassenden Ökobilanz vergleicht das Unternehmen schon 2020 die Klimaauswirkungen zwischen dem eigenen Wurst-Produkt aus Fleisch, der vegetarischen sowie veganen Alternativen. Zusammen mit dem Öko Institut e.V. wurden die Umweltauswirkungen von der Rohwarenbeschaffung bis zur Entsorgung untersucht. Dass die fleischlosen Alternativen dabei deutlich besser abschnitten, ist wenig überraschend. Dass es die Fleischerei aus Pommern 2021 aber geschafft hat, die „vertrauenswürdigste Veggi-Marke Deutschlands“ (Most Trusted Brand 2021) zu werden, schon. Das hat sie definitiv ihrer ehrlichen und offenen, dialoggetriebenen und faktenbasierten Kommunikation zu verdanken.

Keine Frage, die Aufgabe der Emissionstransparenz kommt absehbar auf sehr viele Produkte zu, bei denen der/ die Verbraucher:in mit seiner/ihrer Konsumentscheidung auch seinen persönlichen Footprint kennenlernen sollte. Vermutlich hat die Industrie mittelfristig die Wahl, hier aktiv vorauszueilen oder abzuwarten, bis entsprechende Regulation sie verpflichtet.

Mit dem vielfach preisgekrönten Felix Climate Store haben unsere Weber Shandwick-Kolleg:innen aus Stockholm dieses Prinzip zugespitzt und die CO2-Bilanz eines Produkts zum Preis und damit zum zentralen Kriterium für die Kaufentscheidung gemacht. Den Konsument:innen standen in diesem Leuchtturm-Projekt knappe Emissionskontingente als Geldersatz zur Verfügung.

Alternativ ist das Erzeugen von Transparenz sonst auch die Rolle anderer Akteure wie Verbraucherschützer:innen oder NGOs. Den Grand Prix in Cannes in der Kategorie Sustainability gewann in diesem Jahr das schwedische Start-Up Doconomy, das die Impact-Informationen für eine Vielzahl von Konsumgüter aggregiert und den Konsument:innen diese Daten in einer App zur Verfügung stellt – sicher ein Rolemodel für den Ökotest der Zukunft.

 

Fazit

Verbraucher:innen werden nicht nur immer kritischer, sie werden vor allem auch immer informierter, wenn es um den ökologischen Fußabdruck ihres Konsums geht. Das mag keine neue Erkenntnis sein, aber Konsument:innen darin zu unterstützen, nachhaltige Kaufentscheidungen zu treffen, ist DAS Thema: Ob es nun an der Green Transmition der EU oder der immer sichtbarer werdenden Klimakrise liegt, ist schlussendlich egal. Unternehmen müssen Verbraucher:innen befähigen, klimafreundliche Entscheidung zu treffen – durch entsprechende Produkte und transparente Kennzeichnungen – denn sonst verlieren sie nicht nur die Käufer:innen von morgen, sondern auch schon die von heute.

 


Bild Credits: Banner – Unsplash under Creative Commons Zero Licence